Blockchain – Entwicklungen und Technologien

It appears that once again, the technological genie has been unleashed from its bottle. Summoned by an unknown person or persons with unclear motives, at an uncertain time in history, the genie is now at our service for another kick at the can – to transform the economic power grid and the old order of human affairs for the better. If we will it.
Anfang des Buchs »Blockchain Revolution« von Don Tapscott 

Die Blockchain ist in aller Munde. Wurde die Technologie vor wenigen Jahren noch als Spielzeug für Nerds degradiert, so gibt es heute kaum noch ein Unternehmen aus dem Finanz-, Versicherungs- oder Infrastrukturbereich, welches sich nicht zumindest strategische Gedanken über den möglichen Einsatz der Technologie macht. Es schießen Innovations Labs wie Pilze aus dem Boden, die die Unternehmen fit für die Digitalisierung und anstehenden Disruptionen machen sollen. Beim Aufzählen solcher Disruptoren kommt auch regelmäßig die Blockchain nicht zu kurz, obwohl bezweifelt werden darf, dass viele diese bisher überhaupt in der Gänze verstehen. In diesem Artikel werden die derzeit spannendsten und vielversprechendsten Technologien und Entwicklungen hierzu beschrieben.

Smart Contracts

Geht man nach den Schwerpunkten aktueller FinTech-Konferenzen, dann sind Smart Contracts die Büchse der Pandora. Keine Technologie der Blockchain scheint für mehr Aufregung, Besorgnis und Dollar-Zeichen in den Augen zu sorgen. Grundsätzlich lösen Smart Contracts ein uraltes Problem der Menschheit. Eine Vereinbarung zwischen sich nicht vertrauenden Parteien ohne Mittelsmann zu schließen. Mit Smart Contracts werden Regeln einer Vereinbarung als Computercode definiert und in der Blockchain ausgeführt. Tritt eine zeitlich- oder event-basierte definierte Bedingung ein, wird automatisch eine bestimmte Transaktion erstellt. Dieses Prinzip wird in der Computerwissenschaft »Code by Law« genannt. Dabei ist die Vereinbarung durch die Verteilung auf vielen virtuellen Rechnern gesichert. Zusammengefasst kann ein Smart Contract wie folgt beschrieben werden: Eine automatisierte dezentrale zeitlich- oder event-basierte schwer zu manipulierende Wenn-Dann-Bedingung.

Registrierung und Verwaltung

Die Blockchain ist im weitesten Sinne eine verteilte Datenstruktur für ein digitales Transaktionsregister. Diese Struktur bietet sich sehr gut als Verwaltungswerkzeug für digitale Objekte jeglicher Art an. Schweden prüft und testet den Einsatz der Blockchain als Katasteramt. Honduras testet auf Basis der Blockchain von Factom ein digitales Grundbuch zur Verwaltung von Grund- und Eigentumsbesitz. Erst kürzlich hat der Bezirk Cook Country in Illinois in den Vereinigten Staaten angekündigt, mit Hilfe der Blockchain eine bessere Verwaltung von Immobilien sicherstellen zu wollen. Weitere Anwendungsmöglichkeiten für die öffentliche Verwaltung sind Patente, Steuer- und Firmendaten sowie die Verwaltung von öffentlicher Infrastruktur.

Blockchain-as-a-Service (BaaS)

Blockchain-as-a-Service hat den Vorteil, dass das Hosting, die Installation und die Administration einer Blockchain komplett bei einem externen Provider mit entsprechenden Know-How liegt. Mit BaaS lassen sich schnell Blockchain-Netzwerke deployen um Sicherheit, Verfügbarkeit und Leistungsfähigkeit zu testen. Dies ist besonders für das schnelle Entwickeln von Prototypen für Applikationen und Smart Contracts geeignet. Vorreiter von BaaS ist Microsoft mit der Plattform Azure und IBM mit Bluemix. Zudem ist die internationale Beratungs- und Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte mit dem Produkt Rubix in den Markt eingetreten. Ferner gibt es Open-Source Projekte die ähnliche Ziele verfolgen. Stratis ist eine BaaS-Plattform, die den Ansatz von Cloud-Computing als Blockchain-Anwendung verfolgt. Mit Ardor steht ein Projekt in den Startlöchern, welches das einfache Erstellen eigener Blockchains, innerhalb der freien und etablierten Nxt-Plattform, bieten will.

Tangle

Der Tangle ist eine Blockchain die keine Blockchain ist. Klingt verwirrend, kann aber einfach aufgelöst werden. Der Tangle nutzt keine serielle Blockverkettung sondern einen gerichteten azyklischen Graphen (im Englisch: Directed Acyclic Graph, kurz DAG). Bei einem DAG kann ein Knoten mehrere Nachfolgeknoten haben. Darum ist gelegentlich auch nicht von Blockverkettung, sondern von Blockverpflechtung die Rede. Durch dieses Vorgehen können mehr Transaktionen verarbeitet, mehr Information gespeichert und somit eine höhere Skalierbarkeit erreicht werden. Der Tangle ist eine sehr neue Technologie, die mit dem Projekt IOTA erstmals vorgestellt wurde. IOTA legt den Fokus auf Internet der Dinge und ist eine Plattform zur dezentralen Vernetzung von Geräten. In einem früheren Artikel in diesen Blog, wurden die Einsatzmöglichkeiten von IOTA beschrieben. In einer ähnlichen Anwendungsweise wird der DAG auch im Projekt ByteBall eingesetzt. Beide Projekte befinden sich aktuell noch in der Beta-Phase, sodass sich die Technologie noch in der Praxis beweisen muss. Vielversprechende Tests mit Prototypen wurden jedoch bereits durchgeführt.

Sidechains lassen sich ebenfalls in dieser Liste aufführen. Die Möglichkeiten wurden schon zu einem früheren Zeitpunkt in diesem Blog behandelt.