Fünf Prognosen für 2018

Hast du dich jemals gefragt, was Bitcoin, eine Kryptowährung oder eine Blockchain ist? Wie wäre es mit dem Wort “Dezentralisierung? Du hast vielleicht gehört, dass “diese Dinge kommen” und “die Welt dominieren werden”, aber egal, ob du diese Dinge kennst, “sie haben recht” – “diese Dinge werden kommen” … und “diese Dinge” werden eine genauso wichtige Rolle wie das Internet in den letzten 20 Jahren spielen.

Dr. Julian Hosp, Anfangszeilen seines Buchs »Kryptowährungen«

2017 war ein hervorragendes Jahr für Kryptowährungen. Die Leitwährung Bitcoin stieg in der Spitze um 1900% auf zeitweise über 20.000 Dollar und die Gesamtmarktkapitalisierung aller Kryptowährungen von 18 Milliarden um mehr als 3300% auf 600 Milliarden zum Jahreswechsel.

Durch das enorme Interesse ließen sich auch die Optionbörse Chicago Board Options Exchange (CBOE) und die Terminbörse Chicago Mercantile Exchange (CME) nicht lange bitten und boten zum Ende des Jahres erstmals Bitcoin Futures an. Weiter ließen auch viele Banken durchblicken, auf Druck ihrer Kunden zukünftig Kryptowährungen als Investmentoption anbieten zu wollen. Ein bisschen ironisch ist es ja schon. Trat Bitcoin und Co. einstmals als Gegenentwurf zum kapitalistischen System an, so ist es nun selbst ein Teil davon geworden.

Auch der 2016 gestartete ICO-Boom nahm in 2017 weiter zu. Das ICO-Volumen hatte bis Ende November fast $3,6 Milliarden erreicht. Wer sich die rasante Entwicklung der ICOs veranschaulichen möchte, sollte sich die sehr schön visualisierte ICO History anschauen.

Hatte Anfang 2017 die breite Masse noch kaum Notiz von Kryptowährungen genommen, hatte man das Gefühl am Endes des Jahres spräche nahezu jeder davon. Es kann konstatiert werden, dass 2017 das Jahr des Durchbruchs von Kryptowährungen war. Und es ist nicht weit hergeholt zu prognostizieren, dass auch 2018 der Siegeszug von Kryptowährungen fortgeschrieben wird, dafür nimmt die weltweite Adoption und das Interesse weiter an Fahrt auf, wie jüngst durch eine Vielzahl an Meldungen und Umfragen zu vernehmen war.

In diesem Artikel möchte ich daher neben dem bereits schon kurz beschriebenen Rückblick auf das vergangene Jahr, einen Blick in das kommende Jahr vornehmen und fünf Prognosen abgeben.

Prognose 1: Das Jahr der Krypto-Plattformen

Bitcoin wurde als reine Kryptowährung designt. Das Ziel Smart Contracts, Colored Coins und andere plattformspezifische Funktionen zu implementieren war nie ernsthaft vorhanden. Aus diesem Umstand heraus entstand Ethereum, nachdem Vitalik Buterin die Erweiterung von Bitcoin um solche Plattformfunktionen vorgeschlagen hatte, aber auf Widerstand stieß. So entwickelte er mit Getreuen Ethereum. Heute gibt es mehrere Dutzend solcher Krypto-Plattformen die meist unterschiedliche Wege verfolgen und ihre Stärken und Schwächen haben.
Prognose: 2018 wird das Jahr dieser Plattformen und Frameworks sein. Insbesondere Fullstack-Plattform wie Ethereum, Waves, Lisk, NEM, Ardor, Cardano und NEO scheint ein erfolgreicher Weg vorgezeichnet zu sein. Diese Liste ist nicht vollständig und umfasst nur eine Auswahl derartiger Plattformen.

Prognose 2: Bitcoin wird seinen Nimbus als Leitwährung langsam verlieren

Derzeit ist Bitcoin die unangefochtene Leitkryptowährung. Dies brachte Bitcoin 2017 eine Marktbeherrschung von zweitweise 60-70% ein. In den turbulenten Dezembertagen 2017 ist der Gesamtmarktanteil aber stetig auf aktuell unter 40% gefallen. Durch die hohe Anzahl von Transaktionen und die technische Limitierung des mittlerweile fast zehn Jahre alten Bitcoin-Designs, waren zuletzt Gebühren von $20-30 nötig um eine Transaktion zeitnah bestätigt zu bekommen. Potenzielle Lösungen auf dieses und andere technische Probleme gäbe es, doch die verschiedenen Interessen und die damit verbundene Spaltung der Bitcoincommunity verhinderte solche wegweisenden Verbesserungen bisher. Nicht zuletzt dadurch gab es 2017 vermehrt Abspaltungen (Forks). Der Fortschritt beim Lightning Network ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Lichtpunkt am fernen Horizont. Andere Projekte machen es besser und werden die Schwachpunkte besetzen.
Prognose: Die bekannten und absehbaren Schwächen werden Bitcoin 2018 weitere Marktanteile kosten.

Prognose 3: Gebührenfreie und graphenbasierte Coins werden eine wichtigere Rolle spielen

Als Anfang 2016 die erste gebührenfreie Coin Raiblocks veröffentlicht wurde, nahm kaum jemand in der Community Notiz davon. Auch weil sich lange Zeit die Meinung hielt, dass ein Anreiz in Form von Mining vorhanden sein muss, um (wirtschaftliches) Interesse an einer Coin aufkommen zu lassen. Der fast schon revolutionäre Ansatz wurde verkannt.
Im Herbst 2016 wurde mit Byteball die erste DAG-basierte Coin veröffentlicht, welche anfangs eher wegen des profitables Verteilungsmodells (Airdrops) Beachtung fand. Der DAG als potenzieller Konkurrent oder sogar Disruptor der Blockchain wurde eher wenig beachtet.
Im gleichen Zeitraum wurde ohne großes Aufsehen IOTA entwickelt, dass versprach beide Ansätze zu vereinen. DAG-basiert und gebührenfrei. Darüber hinaus noch hochskalierbar, sicher gegen Quantencomputer und mit dem Fokus auf Maschine-To-Machine-Transaktionen für das IoT-Zeitalter.
Obwohl alle drei Projekte bis Mitte 2017 in ihrem Potenzial unterbewertet wurden, haben sie in der zweiten Jahreshälfte 2017 enorme Wertsteigerungen erfahren. Große Firmen wie Bosch – das kürzlich einen “signifkaten” Anteil an IOTA-Token erwarb – sind sehr an der Technik interessiert.
Prognose: Projekte mit diesen Technologien werden weiter wachsen und wir werden neue Projekte sehen, welche darauf aufbauen und diese weiterentwickeln werden.

Prognose 4: Ende des breiten ICO-Booms und Projektsterben der ICOs von 2016 und 2017

Der ICO-Boom begann etwa Mitte des Jahres 2016. Allein 2017 gab es über 400 ICOs. Viele davon im Multimillionenbereich. Das dieser plötzliche Reichtum viele Teams und Macher stark zusetzt, war in letzter Zeit vermehrt zu beobachten. Betrugsvorwürfe, technische Unmachbarkeit und falsche Zukunftsversprechen waren nur einige der Probleme mit denen ICO-Projekte zu kämpfen haben.  Außerdem stellt sich mehr und mehr heraus, dass viele Whitepaper nichts mehr als eine Vision ohne wirkliche Substanz oder Marktchance sind. Schon heute taxieren viele ICO-Projekt nah oder unter ihrer Funding-Summe. Nur wenige konnten in die Top 30 aufschließen. Die Tendenz geht in den letzten Monaten zunehmend abwärts.
Prognose: Viele der ICO Projekte aus 2016 und 2017 werden ein langsames Ende finden und zu Millionengräber. Es wird weniger, aber qualitativ bessere ICOs geben, da Regulatorik und professionelle Investoren dies erfordern. Aus heutiger Sicht spottgünstige ICOs wie beispielsweise IOTA ($600.000) oder Ethereum ($19 Millionen) werden aber Ausnahmen einer vergangenen Zeit bleiben.

Prognose 5: Das Jahr der großen Namen

Der wahre Blockchain-Hype begann Anfang 2016. Mehr und mehr große Firmen fingen an sich ernsthaft mit der Blockchain-Technologie auseinanderzusetzen, während sich lange Zeit die Meinung hielt, es handele sich hier nur um einen vorübergehenden Hype. Da die Blockchain Ende 2017 immer noch ein großes Thema war, hat sich diese Meinung nicht bestätigt. Im Gegenteil. Viele Firmen haben in den vergangenen eineinhalb bis zwei Jahren in Innolabs an Prototypen, Machbarkeiten und Einsatzgebiete geforscht, sodass sich nun 2018 die ersten marktreifen Produkte abzeichnen und Firmen vermehrt mit öffentlichen Blockchain-Plattformen kooperieren werden. Gleichzeitig wird dies auch die Feuertaufe der Technologie sein.
Prognose: 2018 werden blockchainbasierte Anwendungen großer Firmen erstmals in den Markt eintreten. Viele Unternehmen die bisher nicht mit der Blockchain in Verbindung gebracht wurden, werden ihr Engagement und ihre Absichten verkünden.

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