IOTA – Superstar(t) der Blockchain Evolution

Zugegebenermaßen klingt der Titel des Beitrags arg reißerisch und ähnelt Schlagzeilen einer großen einschlägigen Boulevardzeitung. Dennoch hat der Titel seine Berechtigung, da eine weniger plakative Überschrift nicht das formidable Debüt von IOTA beschreiben würde. Denn niemals zuvor ist ein Krypto-Projekt vom Start weg mit einer derartig hohen Marktkapitalisierung bewertet worden.

Vor über einem Jahr habe ich im ersten Beitrag dieses Blogs über IOTA berichtet. Die Idee des Projekts hat mich von Anfang an begeistert und so begleitete ich es vom ICO Ende 2015 bis zum ersten Listing auf einer Exchange am 13. Juni diesen Jahres.

Seit dem Listing auf Bifinex.com sind nun acht Wochen vergangen. Gleich nach dem Start wurde IOTA mit 1,8 Mrd. US-Dollar Marktkapitalisierung bewertet. Ein Tag zuvor war IOTA im Slack-Channel noch mit einem Wert von gut 200 Mio. gehandelt worden. Anschließend setze eine zu erwartende Korrektur ein. Mittlerweile bewegt sich die Marktkapitalisierung wieder bei rund 1,8 Mio. US-Dollar (Stand 12.08.2017).

Neben dem Listing gab es in den letzen Monaten viele Neuigkeiten rund um das Projekt. Die IOTA Foundation [1] gewann neue Mitglieder aus Wirtschaft, Industrie und Wissenschaft hinzu. Auch erste Projekte und Partner sind gefunden. Satoshipay [2], ein Anbieter für Blockchain-basierte Mikrotransaktionen, kündigte kürzlich an seinen Service von der Bitcoin-Blockchain auf den IOTA-Tangle umzustellen. Innogy, ein Tochterunternehmen von RWE, beschäftigt sich im Rahmen eines Innovation Hubs mit IOTA. Carsten Stöcker von Innogy ist zudem Mitglied der IOTA Foundation [3]. Ein sehr interessantes Projekt ist Carpass. Carpass ist ein auf dem Tangle basierendes System für den Automotive-Bereich, der die Kilometerzahl und die Aktivität des Fahrzeugs aufzeichnet und an eine Plattform weitergibt, wo die Daten sichtbar und verifizierbar sind. So kann zum Beispiel die Manipulation von Kilometerzähler im Auto verhindert werden.

Vielversprechende Roadmap

Ende Mai veröffentlichte der IOTA Mitbegründer David Sønstebø eine Roadmap [4] für IOTA. Die darin aufgeführten Ziele versprechen Großes. Die IOTA Referenz Implementierung (IRI) wird komplett neu in C++ geschrieben, da diese gegenüber der aktuellen Java-Implementierung keine installierte Virtual Machine auf Anwendungsgeräte benötigt. Zudem werden Teile in Rust und Go implementiert.

Weiter soll neben dem bereits vorhandenen Light-Client ein sogenannter Swarm-Client entwickelt werden. Der Swarm-Client verteilt die Kernlogik und die Datenbank für den Einsatz in sehr ressourcenschonende Umgebungen auf verschiedenen Geräten, die sie dann gemeinsam ausführen können. Ähnlich zur Schwarm-Intelligenz ermöglicht dies einen Cluster von Geräten, effizient Transaktionen zu erzeugen ohne einen vollständigen Knoten zu benötigen.

Parallel werden Forschungsaktivitäten zur Verbesserung des Netzwerks durchgeführt. Implementiert und in der Testphase ist das automatische Snapshotting, welches die Größe der verteilten Datenbank für kleine Geräte minimiert. Beim Snapshotting werden mehrere Transaktionen an die gleiche Adresse in einen Datensatz gruppiert, was zu einem kleineren Speicherbedarf führt. Es ähnelt dem Konzept des Blockchain-Pruning.

Modularisierung

Um IOTA zu öffnen und zu modularisieren, wird eine Schnittstelle für IOTA Erweiterungen entwickelt. Erweiterungen werden IXI-Module (IOTA eXtension Interface) genannt.

Permanodes

Bereits in der Testphase befinden sich Permanodes. Voraussetzung für den Einsatz im IoT-Bereich ist ein geringer Speicherbedarf des Tangles. Das bereits erwähnte Snapshotting kann nicht für alle Fälle angewendet werden, da einige Use Cases die permanente Verfügbarkeit aller im Tangle gespeicherten Daten in vollem Umfang benötigen. Dezentrale Permanodes speichern den Tangle zuzusagen weg, wie eine Art Backup. Daten können von dort jederzeit wieder abgerufen werden.

Private Transaktionen und Messaging

Im der aktiven Testphase befindet sich das Modul Masked Authenticated Messaging (MAM). Dies wird es Sensoren und anderen Geräten ermöglichen, ganze Datenströme zu verschlüsseln und diese in der IOTA Tangle sicher gegen Angriffe von Quantencomputern zu verankern. Genau wie MAM ist die Bereitstellung von Sicherheit und Privatsphäre für die gemeinsame Nutzung von Daten und private Transaktionen essentiell. Darum wird über ein weiteres Modul private Kommunikation möglich sein. Grundsätzlich könnte damit ein dezentraler Messenger entwickelt werden.

Oracles

Auch die Implementierung von Oracles ist bereits stark vorangeschritten. Oracles sind Module für Drittanbieterschnittstellen die es erlauben Daten in den Tangle zu schreiben. So kann zum Beispiel eine Airline Flugdaten im Tangle zur Verfügung stellen, auf deren Basis Smart Contracts definiert werden. Byteball hat Oracles bereits implementiert.

Wie kann IOTA ohne Gebühren funktionieren?

Bei IOTA handelt es sich um einen Paradigmenwechsel. Dezentral, quantensicher, skalierbar und transaktionskostenfrei. Besonders die letzte Eigenschaft sorgt oftmals für Erstaunen. Wie kann ein System sicher funktionieren, in dem kein incentiver Anreiz besteht das Netzwerk zu sichern und zu stabiliseren, so wie es mit der Blockchain-Technologie doch prima demonstriert wurde? Die Antwort darauf ist relativ simpel.

IOTA basiert wie Bitcoin auf Proof of Work (PoW). Um selbst eine Transaktion senden zu können, müssen mit der eigenen Rechenleistung zuvor mindestens zwei andere Transaktionen bestätigt werden. Im Prinzip ist daher IOTA nicht transaktionskostenfrei im eigentlichen Sinne. Denn es werden zwar keine IOTA-Einheiten für eine Transaktion benötigt, jedoch Rechenleistung. Somit ist die „Gebühr“ die Rechenleistung die man aufwenden muss um andere Transaktionen zu bestätigen, damit die eigene Transaktion generiert werden kann.

Durch dieses Verfahren hat IOTA eine gegenteilige Eigenschaft zur Blockchain. Je mehr Transaktionen erzeugt werden, je stabiler und sicherer ist das System. Für Phasen in denen niedrige Aktivität im Netzwerk herrscht gibt es den sogenannten IOTA-Spammer. Dieser generiert stetig beliebige Transaktionen und sorgt für eine gleichbleibende Auslastung an neuen Transaktionen im Netzwerk. Langfristig ist vorgesehen, den IOTA-Spammer abzuschalten sobald das Netzwerk eine bestimmte Größe erreicht hat.

[1] https://iotasupport.com/foundation.shtml
[2] https://medium.com/@SatoshiPay/satoshipay-phases-out-bitcoin-partners-with-iota-foundation-b7927b76a63d
[3] https://blog.iota.org/welcome-carsten-st%C3%B6cker-to-the-iota-foundation-51cd65b9d21d
[4] https://blog.iota.org/iota-development-roadmap-74741f37ed01

Hinweis: Die Kryptowelt schreitet in einer unheimlichem Geschwindigkeit voran. Die Informationen in diesem Artikel beziehen sich auf den Stand der Veröffentlichung.

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